Schlagwort: Thunderbird

  • Thunderbirds Bruder: Betterbird

    Heimlich still und leise wurde vor einigen Monaten ein sogenannter Soft-Fork des E-Mail-Clients Thunderbird namens Betterbird lanciert. Soft-Fork bedeutet, dass auf die Veröffentlichung des Originals jeweils eine in irgendeiner Form veränderte Version folgt. Verantwortlich für Betterbird zeichnet der ehemalige Thunderbird-Maintainer Jörg Knobloch, den ich zu seinem Projekt befragt habe.

    • Hallo Jörg, kannst Du bitte kurz skizzieren, wann Du bei Thunderbird eingestiegen bist, was Du in Diensten von Mozilla bei Thunderbird zu tun hattest und warum Du den Job heute nicht mehr machst?

    E-Mail war schon immer mein Ding. Ich war von 1999 bis 2010 Outlook-Benutzer. 2010 wollte ich auf Linux umsteigen und fing mit Thunderbird an. Zunächst einmal musste der Outlook-Import repariert werden, damit ich 2 GB Mail importieren konnte. Bis 2014 lief dann alles ruhig, bis ich nach einem Crash in TB 24 auf TB 31 gegangen bin. Das hat mein Leben verändert.

    TB 31 war grottenschlecht und nachdem ich einige Probleme auf Bugzilla gemeldet hatte, fing ich Anfang 2015 selbst mit den Reparaturen an. Ich habe so alles repariert, was mich nervte. Als dann TB von mehr und mehr Schnittstellen-Änderungen in der Mozilla-Basis bedroht war, sprang ich ein und arbeitete ab 2016 an der „Rettung“, ab Ende 2016 dann als erster Angestellter des Projekts, nachdem durch Spenden Geld in die Kasse gekommen war. Seit Anfang 2016 war ich übrigens auch Mitglied der gewählten Thunderbird Council. Ab 2017 kamen dann mehr und mehr Angestellte dazu, der Technische Direktor Mitte 2018.

    Meine Aufgabe als Mitarbeiter war es, das Projekt durch Anpassungen an die Mozilla Schnittstellen-Änderung am Laufen zu halten, Änderungen anderer Entwickler in die Code-Basis einzubringen, dazu den Code für Beta und Release zu pflegen und Releases vorzubereiten. Ich habe TB 52, 60, 68 betreut. Als freiwillige unbezahlte Tätigkeit habe ich auch noch fast täglich alle neuen Fehlermeldungen gelesen, den Benutzer soweit es ging geholfen, Fehler an andere zur Bearbeitung verteilt oder selbst repariert. Zusammenfassend könnte man die Tätigkeit als die eines Maintainers beschreiben.

    Mir lag die Qualität des Produktes immer sehr am Herzen, denn ich konnte als Nutzer den Ärger Anderer über Funktionen, die nicht oder nicht mehr funktionierten, nur zu gut verstehen. Dinge, die einmal funktioniert haben und dann nicht mehr funktionieren, heißen übrigens Regressionen. Leider ist Thunderbird weit von dem Motto „Keine Regressionen ausliefern“ entfernt. So wird die Qualität des Produktes immer schlechter. Wurden für TB 68 noch ca. 40 Regressions-Fehler gemeldet, waren es für TB 78 schon 180 und für TB 91 sind es zurzeit 260. Sicher werden bei jeder neuen Version auch alte Fehler gemeldet, aber der Trend ist klar. Insgesamt hat Thunderbird übrigens (mit Stand August 2021) über 14.000 offene Bug-Tickets. Davon sind sicher viele in der Zwischenzeit anderweitig repariert worden oder sie waren oder sind nicht reproduzierbar oder sind nicht mehr relevant.

    Ein QA-Team also solches existiert im TB-Projekt formell überhaupt nicht, obwohl natürlich gewisse QA-Aufgaben wahrgenommen werden. Und so kommt es immer wieder vor, dass ganz dumme Regressionen einfach durchrutschen, in TB 91.3.2 geht z.B. das Drucken des Kalenders nicht mehr. Ich habe mich als Mitglied des Thunderbird Council immer für die Einrichtung eines QA-Teams eingesetzt, was mach auch in den publizierten Protokollen nachlesen kann. Viele Leute und Firmen sind von TB abhängig, und es ist einfach unverantwortlich, denen ihre Workflows zu zerschießen, ohne einen Plan, das zeitnah wieder zu reparieren.

    Insgesamt war ich ein unbequemer Kritiker des Thunderbird-Managements. Zum Verständnis muss erwähnt werden, dass das TB-Projekt mich von Ende November 2016 bis Mitte 2018 selbst bezahlte, danach wurde die Bezahlung von pEp Security übernommen, sozusagen als Spende an das Projekt. Als das TB-Projekt Anfang 2020 in die neu dafür gegründete kommerzielle MZLA-Firma eingegliedert wurde, wollte pEp die Finanzierung nicht mehr übernehmen, und da TB mittlerweile genug andere Mitarbeiter hatte, ließ man mich gehen. Ich arbeite seitdem direkt bei pEp Security. Im August 2020 wurde ich dann in einem politischen Coup kurz von der anstehenden Council-Wahl von der Thunderbird und Mozilla Community ausgeschlossen, und zwar aufgrund eines angeblichen und nicht weiter detaillierten Verstoßes gegen die dortigen Richtlinien. Material dazu ist im Internet publiziert.

    • Was waren Deine Beweggründe, mach Deinem Ausscheiden einen Fork von Thunderbird aufzulegen und was sind im Einzelnen die Ziele, die Du mit Betterbird erreichen möchtest?

    Ich wollte eine Alternative anbieten, die besser funktioniert und wo Fehler soweit wie möglich schnell behoben werden. Natürlich kann unser Projekt nicht alle 14.000 Fehler beheben, aber Dinge, die an uns herangetragen werden, bearbeiten wir schnell. Unser Projekt erlaubt auch einen schnellen „turn around“ und einen „latest build“ Release. Wir bieten übrigens TB alle unsere Fixes und Verbesserungen an, soweit haben sie einige genommen, andere nicht. Ich hoffe, dass Konkurrenz das Geschäft belebt und auch TB besser wird.

    Ich möchte ein E-Mail-Programm haben, dass für mich selbst funktioniert. Ich möchte zeigen, dass es auch mit wenig Personaleinsatz möglich ist, ein besseres Produkt anzubieten. Unser Angebot richtet sich an fortgeschrittene Benutzer, die die punktuellen Verbesserungen wahrnehmen und keine Lust haben, Monate oder Jahre auf eine Fehlerbehebung zu warten. Auf die Mehrzeilen-Ansicht, die andere Mail-Clients bieten, warten TB-Benutzer nun schon seit 2003. Meine Mutter benutzt immer noch den Standard-Thunderbird, sie würde den Unterschied nicht merken, viele Andere aber schon. Gute Unterstützung habe ich im www.thunderbird-mail.de Forum gefunden, wo einige Benutzer zu Betterbird gewechselt sind.

    Technische Umsetzung

    Technisch gesehen nimmt das Betterbird-Projekt den aktuellen Thunderbird-Release und wendet eine Gruppe von Änderungen (patches) an, die auf GitHub verwaltet werden. Diese Änderungen statten Betterbird mit neuen Funktionen und Bug Fixes aus, ohne dass die Sicherheit beeinträchtigt wird, wie es bei vielen anderen Forks von Mozilla-Projekten der Fall ist. Die aktuelle Version ist 91.4.0 und brandneu. Das vollautomatisch erstellte Linux-Build hat die Community beigesteuert. Der Download für Linux und Windows in 64-Bit findet sich auf der Projektseite, eine FAQ erläutert, für wen Betterbird eine gute Wahl ist. Ein deutscher Foren-Thread hilft bei Problemen.

  • Thunderbird 91.3.1 bringt 4 neue Funktionen

    Thunderbird 91.3.1

    Im Oktober wurde mit Thunderbird 91.2.0 die automatische Aktualisierung von Thunderbird 78.x freigegeben. Anfang November schoben die Entwickler dann mit Thunderbird 91.3.0 ein größeres Wartungs-Update nach. Es behob ein Dutzend Fehler und schloss ebenso viele Sicherheitslücken, brachte aber keine neuen Funktionen.

    Gleich vier davon hat neben einigen behobenen Fehlern nun das Bugfix-Release 91.3.1 zu bieten:

    • Nach einem Update prüft Thunderbird jetzt installierte Add-ons ebenfalls auf Updates
    • Das Hinzufügen einer Suchmaschine über deren URL wird nun unterstützt
    • Das Template für FileLink-Dateianhänge wurde aktualisiert und dabei Werbung für Thunderbird entfernt
    • Öffentliche OpenPGP-Schlüssel zählen nicht mehr als Anhang in der Nachrichtenliste

    Überdies schloss das Update neun Fehler.

  • Thunderbird 78.13 freigegeben, 91 kurz vor Veröffentlichung

    Gestern wurde mit Thunderbird 78.13 die vermutlich letzte Aktualisierung der Version 78 vor Thunderbird 91 freigegeben, der bereits in den Startlöchern steht. Thunderbird 78.13 schließt vornehmlich sieben Sicherheitslücken, von denen sechs mit dem Schweregrad high gekennzeichnet sind. Zudem wurde ein Bugfix aus Thunderbird 78.12 wieder entfernt, da er Regressionen nach sich zog. Der Anbieter WeTransfer für Datei-Tranfers wurde aus Thunderbird entfernt. Der Fehler von auf M1-Macs nicht auffindbaren GPG Smartcard-Bibliotheken von Homebrew wurde beseitigt.

    Veröffentlichung steht vor der Tür

    Thunderbird 91 RC1 erschien nach sechs Beta-Versionen am 5. August und es ist zu erwarten, dass die Veröffentlichung kurz bevorsteht. Thunderbird 91 folgt auf Version 78, womit sich die Entwickler des E-Mail-Clients an die Versionierung von Firefox ESR anlehnen und etwa einmal pro Jahr eine neue Version anbieten. Die Version, die heute auf dem Server liegt, trägt bereits die Version 91.0.

    Roadmap in weiten Teilen erfüllt

    Bereits mit der Veröffentlichung von Thunderbird 78.8 im Januar 2021 wurde eine Roadmap vorgestellt, die die Entwicklung zu Thunderbird 91 und darüber hinaus skizziert. Das Herzstück der neuen Version ist die überarbeitete Routine zum Einrichten eines E-Mail-Kontos. Neben der neuen optischen Gestaltung bietet sie die Erkennung und Einbindung von CardDAV- und LDAP-Adressbüchern und externen Kalendern, ermöglicht das Setzen einer E-Mail-Signatur und biete Hilfe bei der Verschlüsselung

    Optische Überarbeitung

    Weitere neue Funktionen sind die Unterstützung für den Import und Export von Thunderbird-Profilen, die Möglichkeit, E-Mails auch an BCC-Empfänger zu verschlüsseln. Was ist BBC? Die E-Mail-Adressen, die in das BCC-Feld (blind carbon copy) eingeben werden, sind weder für die Empfänger, die CC-Empfänger noch für die anderen BCC-Empfänger der Mail sichtbar. Zudem schlägt der E-Mail-Client künftig Ersatz für nicht mehr unterstützte oder inkompatible Erweiterungen vor.

    Weitere Überarbeitungen erfuhren die Kalenderansicht, die Mail-Ansicht sowie das Fenster zum Erstellen von Mails. Darüber hinaus gibt es viele weitere Änderungen, die in den Release Notes nachzulesen sind.

  • Thunderbird 78.8.0 und die Roadmap darüber hinaus

    Thunderbird 78.2.1
    Logo: Mozilla Lizenz: CC BY-SA 3.0

    Thunderbird 78.8.0 ist ein reines Bugfix-Release, das keine neuen Funktionen bietet. Das Update schließt vier Sicherheitslücken, wovon drei als high kategorisiert wurden. Es handelt sich um die gleichen Lücken, die im gestern veröffentlichten Firefox 78.8 ESR geschlossen wurden. Die Release Notes weisen einige behobene Fehler und Korrekturen aus:

    • Beim Importieren eines Adressbuchs aus einer CSV-Datei wurde immer ein Fehler gemeldet
    • Sicherheitsinformationen für S/MIME-Nachrichten wurden nicht korrekt angezeigt, bevor ein Entwurf gespeichert wurde
    • Im Kalender wurde die FileLink UI für Caldav-Kalender repariert.
    • Wiederkehrende Aufgaben wurden immer als unvollständig markiert, Filter waren nicht benutzbar.
    • Korrekturen an einigen UI-Widgets, die nicht korrekt funktionierten.
    • Das Dark-Theme wurde verbessert.
    • Im Erweiterungsmanager fehlte der Link zur Addon-Support-Webseite.

    Roadmap bis ins nächste Jahr

    Viel interessanter aber sind die Pläne der Entwickler für den Rest des Jahres, die jetzt als Roadmap vorliegen. Demnach haben sich die Entwickler für die nächste Hauptversion Thunderbird 91 und darüber hinaus viel vorgenommen. Die Entwickler weisen darauf hin, dass die Umsetzung dieser Pläne auch von den Beiträgen der Community abhängt und daher unklar ist, wie viel davon für den im 2. Quartal erwarteten Thunderbird 91 umgesetzt werden kann. Einige der geplanten Neuerungen weisen aber bereits jetzt ins nächste Jahr.

    Ambitionierte Pläne

    Es ist ein umfangreiches Dokument, hier seien lediglich einige wichtige Punkte genannt:

    • Das Adressbuch soll Web-Technologien nutzen und so überarbeitet werden, dass es auch außerhalb Thunderbirds genutzt werden kann. Das neue Adressbuch wird in einem Tab zu Hause sein, so wie bereits jetzt Kalender, Aufgaben und Chat. Im Backend soll die CardDAV-Unterstützung fertiggestellt werden.
    • Initiale Entwicklung zur Unterstützung von JMAP. Fertigstellung der Maildir-Unterstützug und aktivierung für neue Installationen.
    • Thunderbird Fission stellt die Umsetzung der Muliti-Prozess-Unterstützung aus Firefox dar. Thunderbird muss seinen Code an Fission anpassen, da Fission irgendwann nicht mehr optional sein wird.
    • Der Editor soll eine webkompatible Maske zum Erstellen von Mails erhalten. Das Ziel ist, dass Fehler im Editor, die den Editor im Web betreffen, sich auch in Thunderbird reproduzieren und umgekehrt.
    • Die mit Thunderbird 78 eingeführte grundlegende OpenPGP-Unterstützung gilt es zu verbessern, um die Bedienung zu vereinfachen und komplexere Setups zu handhaben.
    • Wo immer möglich soll UTF-8 verwendet werden.
    • Die Chat-Oberfläche soll modernisiert werden, die Chat-Funktion soll Matrix unterstützen.

    Schaun wir mal, was davon umgesetzt werden kann und wo die Präferenzen liegen.

  • PIMp mein Büro: Mehr Produktivität mit dem Thunderbird

    Thunderbird ist ein sehr beliebtes E-Mail-Programm. Aber es stecken noch viel mehr Funktionen unter der Haube des Donnervogels. Diese können Thunderbird zum richtigen Personal Information Manager (PIM) machen. Neben E-Mails können auch Kontakte, Termine, Aufgaben und Notizen organisiert und verwaltet werden.

    E-Mail mit Thunderbird geht noch produktiver

    Der Umgang mit E-Mails ist natürlich die Königsdisziplin von Thunderbird. Aber auch hier besteht noch etwas Optimierungspotential: Zum einen sollte man Speichermethode für die E-Mail-Konten ändern. Das geht unter „Einstellungen – Allgemein – Speichermethode für neue Konten“. Hier sollte die Methode „eine Datei pro Nachricht (maildir)“ eingerichtet werden.

    Das voreingestellte mbox ist gewissermaßen technisch veraltet und sollte in einer zeitnahen Version umgestellt werden. Größtes Problem ist dabei die Umwandlung vom alten in das neue Format. Das sollte niemanden stören, der ohnehin seine E-Mails per IMAP bezieht, da liegt die Kopie der Nachrichten eh auf dem Server. Die Umstellung für bereits eingerichtete Konten ist ein wenig komplizierter, wenn man nicht einfach das Konto einmal entfernen und wieder neu hinzufügen möchte.

    Verschlüsselung vereinfacht

    Seit Thunderbird 78 ist auch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung überarbeitet. OpenPGP wurde direkt integriert. In den Einstellungen des Nutzerkontos besteht die Möglichkeit, ein Schlüsselpaar zu erstellen. Nachrichten können automatisch signiert und bei Bedarf verschlüsselt werden. Mittlerweile geht das tatsächlich kinderleicht. Ausreden, seine E-Mails im Klartext durch das Internet zu schicken, sind damit eigentlich vom Tisch.

    Als letzter Tweak für E-Mails soll noch der Umgang mit Ordnern genannt werden: Per Rechtsklick auf das E-Mail-Konto können Ordner hinzugefügt werden, sodass mehr Ordnung gehalten werden kann. Bei manchen E-Mail-Anbietern und Microsoft Exchange tauchen nach Hinzufügen des Kontos auch gar nicht alle Ordner auf. Dieses Problem lässt sich ebenfalls per Rechtsklick auf das Nutzerkonto lösen. „Abonnieren…“ zeigt dann eine Liste aller Ordner an. Diese können per Häkchen ausgewählt werden.

    Adressbuch im Thunderbird fit machen

    Deutlich mehr Optimierungspotential besteht im Adressbuch. Denn auch hier möchte man plattformübergreifend immer auf dem aktuellen Stand sein. Die Synchronisation der Kontakte funktioniert heute meist über das CardDAV-Protokoll. Thunderbird unterstützt dieses über Add-ons wie Cardbook. Das Add-on leitet elegant durch den Konfigurationsprozess.

    Kalender gehen auch mit Google

    Viele Anwender nutzen heutzutage einen digitalen Kalender. Auch hier gibt es das entsprechende Protokoll, CalDAV. Dieses ist schon seit geraumer Zeit im Thunderbird integriert. Auch iCalendar (ICS) können per Link hinzugefügt werden. Wer seinen Terminkalender Google anvertraut, braucht allerdings ein Add-on: Provider for Google Calendar. Die Protokolle für den Kalender stellen auch gleich eine To-do-Liste zur Verfügung, die Thunderbird direkt mit integriert.

    Und noch viel mehr…

    Thunderbird bietet aber noch mehr Möglichkeiten. Die Entwickler arbeiten wieder deutlich aktiver an dem Programm. Und auch Add-ons gibt es in hoher Zahl. Aber auch ohne diese werden Instant-Messaging-Protokolle unterstützt. Altbewährt sind beispielsweise IRC und XMPP. Außerdem haben die Entwickler angekündigt, in Zukunft auch das Matrix-Protokoll unterstützen zu wollen. Ebenfalls soll das Adressbuch überarbeitet werden. Dann könnten auch ohne Add-on alle Funktionen mit an Bord sein.

  • Thunderbird 78.3.0 und 78.3.1 freigegeben

    Screenshot: ft

    MZLA Technologies Corporation, die Tochtergesellschaft der Mozilla Foundation, die seit Anfang des Jahres die Entwicklung des Mail-Clients Thunderbird weiterführt, hat am 24. September Version 78.3.0 freigegeben und zwei Tage später wegen gemeldeter Abstürzen Thunderbird 78.3.1 nachgeschoben. Diese folgen auf Thunderbird 78.2.1 von vor rund drei Wochen.

    Fehler bei OpenPGP behoben

    Die Notizen zur Veröffentlichung weisen gleichermaßen auf Verbesserungen, behobene Fehler und geschlossene Sicherheitslücken hin. Für OpenPGP konnte demnach die Entschlüsselung bei umfangreichen Nachrichten verbessert werden. Ebenfalls in OpenPGP wurde ein Fehler behoben, sodass künftig der externe Schlüssel nicht mehr angezeigt wird, wenn diese Option deaktiviert ist.

    Wird zu einem Server mit einem selbst signierten SSL/TLS-Zertifikat verbunden, informiert der Assistent zur Kontoeinrichtung darüber jetzt mit einem Popup-Fenster. Die Bezeichner Von und An haben im Antwortfenster die Plätze getauscht, wobei Von jetzt über An steht. Erweiterungen, die noch auf XUL basieren können ab sofort nicht mehr installiert werden, es gibt keine Ausnahmen. Die Kalender-UI wurde verbessert.

    Neue Schlüssel automatisch ausgewählt

    Die behobenen Problemen der Vorgängerversion betrafen unter anderem auch die fälschliche Anzeige korrumpierter OpenPGP-Daten, wenn der Prompt zur Eingabe des Master-Passworts abgebrochen wurde. Die Erstellung eines neuen Schlüsselpaars selektierte diese Schlüssel nicht automatisch zur Verwendung. Die Vorschläge der Rechtschreibprüfung waren bei Verwendung des Dark-Theme nicht lesbar.

    Vier geschlossene Sicherheitslücken

    Zudem wurden eine als kritisch eingestufte sowie drei moderate Sicherheitslücken geschlossen. Bei der kritischen Lücke mit der CVE-Nummer 2020-15673 konnte nicht ausgeschlossen werden, das sie zum Ausführen von beliebigem Code genutzt werden könnte. Noch nicht behoben werden konnte ein Fehler, bei dem die Nachrichtenliste beim Start nicht im Fokus ist. Anwender, die automatisch aktualisiert werden, erhalten gleich die korrigierte Version Thunderbird 78.3.1.

  • Automatische Updates bei Thunderbird wieder aktiv

    Thunderbird 78

    Screenshot: ft

    Wie Sören Hentzschel in seinem Mozilla-Blog schreibt, haben die Entwickler des beliebten Mail-Clients Thunderbird automatische Updates auch von Thunderbird 68.x auf die neue Version 78.x freigegeben. Dieser Versionssprung war bisher nur durch eine manuelle Installation möglich.

    Schwieriger Übergang abgeschlossen

    Die Einführung der neuen Version war schwieriger als das gemeinhin der Fall ist. Thunderbird 78.0 erschien heute vor zwei Monaten und brachte zwei große Änderungen für den Mail-Client. Der Mechanismus für das Einbinden von Erweiterungen wurde, wie das bei Firefox mit den WebExtensions bereits seit Längerem der Fall ist, auf den ähnlichen Standard MailExtensions umgestellt.

    Neue OpenPGP-Bibliothek

    Das war aber nicht der Grund für die fehlenden automatischen Updates. Der lag in der Verschlüsselungsfunktion. In einem aufwendigen Umbau hatten die Entwickler die ehemalige Erweiterung Enigmail in den Kern von Thunderbird übernommen. Thunderbird setzt dabei nicht mehr wie Enigmail auf GnuPG, sondern auf die modernere OpenPGP-Bibliothek RNP. Gleichzeitig wurde auch Lightning, das ehemalige Kalender-Plugin in Thunderbird direkt implementiert. Die automatischen Updates von Version 68 wurden frühestens für Thunderbird 78.2 in Aussicht gestellt.

    Sicherheitslücken geschlossen

    Eine Woche später folgte Version 78.0.1, die 11 Fehler beseitigte und das Schlüssel-Handling bei OpenPGP verbesserte. Nochmals eine gute Woche später folgte Thunderbird 78.1, der 10 Sicherheitslücken schloss. Weitere drei Wochen dauerte es dann bis zu Thunderbird 78.2. Die Entwickler raten Anwendern von Enigmail immer noch von der Verwendung von Thunderbird 78 ab.

    Auch wenn die Umsetzung von Enigmail im Thunderbird-Kern nun als Feature Complete, also mit allen geplanten Funktionen ausgestattet, angesehen wird, sollen zunächst noch weitere Tests die Stabilität garantieren. Somit ist Enigmail auch in Thunderbird 78.2 noch standardmäßig deaktiviert. Automatische Updates innerhalb der Rehe 78 funktionieren, von 68 jedoch nicht.

    OpenPGP standardmäßig aktiviert

    Ende August wird mit Thunderbird 78.2.1OpenPGP standardmäßig aktiviert. Gleichzeitig wurden die Algorithmen MD5/SM2/SM3 deaktiviert. Bis auf ein wenig Feinschliff wie das Nachreichen der deutschen Übersetzung in den beiden neuen Untermenüs ist der Übergang zur Integration der Verschlüsselung in den Client abgeschlossen. Was die Umstellung auf die neue Erweiterungsschnittstelle MailExtensions angeht, so waren und sind noch nicht alle Erweiterungen damit kompatibel.

    Seit einer Woche nun gibt es Thunderbird 78.2.2 und in der Folge nun die automatischen Updates auch von Version 68.x. Version 78.2.2 brachte Fehlerbehebungen beim Import und Entschlüsseln von Schlüsseln sowie die Möglichkeit, in der Empfängerzeile Einträge per Drag&Drop zu verschieben. Mein über das Distributionspaket von Debian installierter Thunderbird steht derzeit noch bei Version 68.12, ein Update lässt sich manuell nicht anstoßen.

  • Die besten E-Mail-Programme für Linux

    E-Mail-Programme für Linux
    E-Mail-Programme für Linux

    Ob sich die E-Mail heutzutage wieder durchsetzen würde? Schließlich ist sie ein System, welches nicht nur von lauter unterschiedlichen Anbietern angeboten werden kann. Und trotzdem sind sie untereinander kompatibel. Darüber hinaus können auch unterschiedliche Protokolle und unterschiedliche Programme verwendet werden.

    Starke Konkurrenz

    Die E-Mail trotzt der Konkurrenz durch soziale Medien und Messenger großer Konzerne, Problemen wie Spam und Sicherheit und nicht zuletzt einem Namen, der es trotz der Kürze auf die »Liste der rechtschreiblich schwierigen Wörter« geschafft hat. Beruflich wie privat wird nahezu jeder alltäglich mit E-Mails konfrontiert. Meist auch mit mehr als nur einem E-Mail-Konto, sodass es schön wäre, mit einem Programm den Überblick zu behalten.

    Während häufig auf dem Smartphone vorinstallierte Applikationen wie Gmail oder Apple Mail genutzt werden und in der Berufswelt der Arbeitgeber meist ein Programm wie Microsoft Outlook vorgibt, hat man in der Open-Source-Welt die Qual der Wahl. Deswegen soll hier ein vergleichender Überblick vorgenommen werden.

    Goldstandard Thunderbird

    Bei den meisten Linux-Distributionen ist das Programm Thunderbird vorinstalliert. Aber auch darüber hinaus erfreut sich das Open-Source-Programm großer Beliebtheit in Deutschland, immerhin 5 der 30 Millionen aktiven Installationen weltweit sollen hier sein. Entwickler von Thunderbird ist die Mozilla Foundation, die auch den Firefox entwickelt. Das war in der Vergangenheit allerdings nicht immer zum Wohle des Donnervogels. Seit 2012 standen Stabilitäts- und Sicherheitsaktualisierungen im Vordergrund. Man war der Ansicht, dass die Software fertig sei und legte seinen Fokus auf andere Projekte.

    Tatsächlich dauerten Diskussionen und Stillstand bis zu Beginn dieses Jahres an. Nun ist Thunderbird in ein eigenes Unternehmen ausgegliedert. Die Entwicklung nimmt wieder Formen an. Seit Juli 2020 ist die Version 78 veröffentlicht. Die Änderungen sind so massiv, dass die automatische Aktualisierung noch auf sich warten lässt und auch in den Paketquellen meist noch eine ältere Version liegt. Dennoch wurde für den Test die Version 78 genutzt:

    Das Hinzufügen der Mailkonten funktioniert besonders einfach. Für alle vier getesteten Anbieter muss man lediglich seinen Namen, seine E-Mail-Adresse und sein Kennwort eingeben. Die Server-Einstellungen findet der Donnervogel in der eigenen Mozilla ISP-Datenbank. Erfreulich ist, dass auch die Konfiguration der Gmail-Adresse funktioniert, obwohl diese mit einem Yubikey als zweitem Faktor gesichert ist.

    Allerdings kann das frische Design auch nicht alle Altlasten verbergen: So wird als Speicherformat noch immer mbox verwendet, womit lokal alle E-Mails in einer großen Datei gespeichert werden. Das bessere Maildir ist zwar schon enthalten, allerdings noch nicht voreingestellt, da es wohl noch Fehler verursacht. Das ist technisch nicht zeitgemäß.

    Die Filterung und Suche von E-Mails funktioniert weiterhin gut. Mit der neuen Version lassen sich auch out-of-the-box OpenPGP-Keys für die Verschlüsselung von Nachrichten hinterlegen. Bislang hat nur die Verschlüsselung mit S/MIME direkt funktioniert. Der jetzige Schritt ist eigentlich überfällig, andererseits hat sich bislang noch gar keine Verschlüsselung flächendeckend durchgesetzt.

    Auch Kalender lassen sich hinzufügen. Per Standard werden das ICS- und das CalDAV-Format unterstützt. Allerdings umfasst das nicht den bidirektionalen Zugriff auf den Kalender des eigenen Google-Kontos. Wer diesen nutzen will, muss mit dem Add-On »Provider for Google Calendar« arbeiten.

    Auch über ein Adressbuch verfügt Thunderbird, allerdings ist es schade, dass die Synchronisation hier mittels eines Add-ons wie »CardBook« erst noch nachgerüstet werden muss.

    Weitere interessante Features von Thunderbird sind etwa das Importieren und Abrufen von RSS-Feeds oder die Nutzung von Filelinks. Dann bietet Thunderbird an, wenn man große Dateien hochladen möchte, diese auf einem der eingerichteten Cloud-Speicher wie WeTransfer hochzuladen und stattdessen den Link zu schicken. Darüber hinaus gibt es eine große Anzahl an Add-ons, mit denen man Funktionen nachrüsten kann.

    Es ist schön zu sehen, dass der Thunderbird wieder Fortschritte macht. Er bleibt für langjährige Nutzer gut und einfach zu benutzen, ist gut durchdacht und wird jetzt Schritt für Schritt um Funktionen erweitert.

    Kommerziell nur Flops

    Eigentlicher Hauptkonkurrent von Thunderbird ist Microsoft Outlook. Allerdings bietet Microsoft sein Office-Paket, zu dem auch das Mailprogramm Outlook zählt, nicht für Linux an. Auch die Nutzung mit Software wie WINE scheint nicht richtig zu funktionieren. Vom Funktionsumfang wird Thunderbird allerdings als gleichwertig beschrieben und mittels Add-ons soll auch Zugriff für die proprietäre Exchange-Schnittstelle möglich sein.

    Ebenfalls mit dem Ziel, die Anbindung an einen Exchange-Server zu gewährleisten, ist die Software Hiri gestartet. Da kann man tatsächlich auch noch Lizenzen auf der Internetseite für kaufen, zu empfehlen ist das allerdings nicht: Das Projekt scheint tot zu sein.

    Ein anderer kommerzieller Anbieter bietet seine Software Mailspring auch für Linux auf. Allerdings ist auch hier keine Unterstützung für Microsoft Exchange gegeben. Dafür ist die Software Open Source und prinzipiell auch kostenlos nutzbar. Allerdings soll der Anwender zur Zahlung von monatlich 8 $ für die Pro-Version bewegt werden. Dann stehen prinzipiell interessante Features wie zeitversetztes Senden, das Erinnern an noch zu bearbeitende Mails oder jene, auf die nie eine Antwort kam zur Verfügung. Außerdem werden Kontaktprofile mit Internet-Ressourcen erstellt und es kann getrackt werden, ob die Mail geöffnet oder gar Links angeklickt wurden. Das wiederum klingt zumindest aus Sicht des Datenschutzes höchst bedenklich.

    Mailspring möchte mit einem modernen Design aufwarten und bietet auch unterschiedliche Themes an. Ordner unterschiedlicher Mailkonten werden zusammengefasst (beispielsweise alle Posteingänge und Gesendet-Ordner). Das kann man mögen und ist gewissermaßen ein Alleinstellungsmerkmal. Allerdings sind beim Test auch einige Schwachstellen deutlich geworden:

    Die als gut beworbene Suchfunktion ist nicht gut. Mails, die unter Thunderbird gefunden werden, findet Mailspring nicht. Auch ist es überraschend, dass man zur Nutzung des Programms eine Mailspring-ID inklusive Abnicken von Nutzungs- und Datenschutzbedingungen erstellen muss.

    Bei manchen E-Mail-Anbietern muss man die Serverkonfiguration manuell ändern, um das Konto hinzuzufügen. Auch das ist nicht wirklich zeitgemäß, wenn die Servereinstellungen Datenbanken wie der von Mozilla schon lange bekannt sind.

    Der Kalender funktioniert (noch) nicht richtig, er bietet nur eine Vorschau. Nach den Verschlüsselungseinstellungen sucht man vergeblich. Von daher kann man die Eigenaussage, dass Mailspring die beste kostenlose E-Mail-App wäre, dann doch sehr bezweifeln.

    GNOME-Projekte

    Zu den GNOME-Projekten gehören gleich zwei E-Mail-Programme. Evolution und Geary. Beide fügen sich naturgemäß bestens in die eigene Desktopumgebung ein. Das hat zur Folge, dass man E-Mail-Konten nicht in den Programmen selbst hinzufügt, sondern in den GNOME-Einstellungen unter »Online-Konten«. Das funktioniert auch einigermaßen gut, umfasst aber doch etwas mehr Schritte als die Konfiguration im Thunderbird.

    Evolution wartet mit einem zeitgemäßen Design und Maildir als Speicherformat aktuell auf. Auch Verschlüsselung funktioniert out-of-the-box, allerdings sind auch hier wieder mehr Klicks nötig: »Bearbeiten→Einstellungen«, dann den Account auswählen, wieder »Bearbeiten→Sicherheit« ist der doch ganz schön lange Weg. Unabhängig davon, ob man ihn für geschickt gewählt hält, beweist er immerhin, dass Evolution eine Menge an Einstellungsoptionen besitzt. Das vermisst man oft bei GNOME-Programmen.

    Auch Kalender werden unterstützt, inklusive dem von Google. Allerdings nicht unbedingt, wenn man die Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen möchte. Ansonsten verfügt auch Evolution über eine Adressbuchfunktion, per Standard auch über Web-Synchronisation und eine Aufgabenliste.

    Irritierend ist die Suchfunktion von Evolution. Bei weitem nicht alle archivierten E-Mails werden gefunden. Dennoch kann man Evolution absolut ebenbürtig zu Thunderbird sehen, in manchen Punkten musste und muss dieser sogar aufholen.

    Geary kommt deutlich minimalistischer daher und erinnert mit dem Funktionsumfang eher an eine App. Mehr als E-Mails kann Geary nicht, wie man es aus mobilen Anwendungen kennt, wird nach Konversationen gruppiert. Die Suche funktioniert gut, eine Verschlüsselung scheint allerdings noch nicht implementiert zu sein.

    Wer das ebenso wenig wie ein vollständiges Adressbuch oder einen Kalender braucht respektive die entsprechenden anderen Programme dafür nutzt und vom mobilen Design angetan ist, der kann mit Geary glücklich werden.

    KDE-Projekte

    Auch KDE bietet zwei E-Mail-Programme an. Das umfangreichere Kmail und Trojita. Beide fühlen sich in der KDE-Welt wohl. Trotzdem überrascht es, dass Kmail unter Fedora 32 GNOME schlicht nicht nutzbar ist. Natürlich ist GNOME nicht das heimische Biotop für die Anwendung. Allerdings wäre es trotzdem schön, wenn die Anwendung funktionieren würde. Das soll mir unter Fedora 32 mit GNOME allerdings nicht gelingen.

    Mehrmals stürzt Kmail ab, ohne dass ich auch nur ein E-Mail-Konto konfigurieren konnte. Immerhin: Vor Jahren unter einer KDE-Distribution funktionierte Kmail auf jeden Fall. Der Funktionsumfang ist ebenfalls inklusive einer Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten wohl vollständig.

    Trojita lässt sich immerhin öffnen, allerdings müssen tatsächlich alle Servereinstellungen per Hand vorgenommen werden. Das ist genauso wenig zeitgemäß wie die Tatsache, dass sich dann auch nur dieses eine Konto benutzen ließe. Beim Blick auf das letzte Release-Datum, 2016, scheint sich das dann auch aufzuklären: Aktiv scheint das Programm nicht mehr weiterentwickelt zu werden. Trotzdem findet es sich in vielen Paketquellen wieder, ohne wirklich nutzbar zu sein.

    Exoten

    Auch Seamonkey ist aus der Mozilla-Welt hervorgegangen. Allerdings ist es ein Programmpaket, welches neben einem Webbrowser auch ein E-Mail-Programm enthält. Leider muss man auch hier wieder die Servereinstellungen per Hand nachschlagen und eingeben. Viele Funktionen sind aus Thunderbird und Firefox bekannt, allerdings sind diese beiden Projekte dann doch deutlich aktueller als der Seamonkey.

    Claws Mail ist die Weiterentwicklung von Sylpheed. Es ist ein leichtgewichtiges und unabhängiges Mail-Programm. Allerdings muss auch hier wieder die Einrichtung der Servereinstellungen per Hand geschehen. Bei einem Google-Konto muss die Nutzung von OAUTH2 deaktiviert werden. Für die Verschlüsselung von Nachrichten muss mit Plug-Ins nachgearbeitet werden. Einen Kalender gibt es nach der Installation nicht, lässt sich aber per Plugin nachrüsten. Das Programm ist sehr schnell und man kann sich durchaus vorstellen, dass es seine eigene Fan-Gemeinde besitzt.

    Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, über das Terminal E-Mails zu senden und empfangen. Ein Programm dafür trägt den Namen »mutt«. Tatsächlich wird es auch noch weiterentwickelt und bietet auch eine Vielzahl an Features (inklusive Verschlüsselung), wenn man sich denn auf die Kommandozeile einlassen möchte für das Senden von E-Mails.

    Fazit

    Der Erfinder von mutt untertitelt die Webseite seines Programms mit »’All mail clients suck. This one just sucks less.‘ -me, circa 1995«. Das ist natürlich ein willkommener Satz für ein Fazit, allerdings muss man sich diesem nicht anschließen. Schließlich machen E-Mail-Programme das Leben auch einfacher und produktiver. Die Auswahl ist groß genug, dass man sich seinen eigenen aussuchen kann. Zumindest Thunderbird, Evolution und Kmail bieten auch einen großen Funktionsumfang. Allerdings ist es gut, dass Thunderbird aus seinem Dornröschenschlaf aufgewacht ist. Denn mithalten kann es im Prinzip nur durch die neue Version 78 und Verbesserungsbedarf besteht weiterhin.

    Schade ist allerdings, dass keines der E-Mail-Programme auch eine Version für die mobilen Endgeräte liefert.

  • Thunderbird 78.2.1 schaltet OpenPGP ein

    Thunderbird 78.2.1
    Logo: Mozilla Lizenz: CC BY-SA 3.0

    Mit einem kleinen Update auf Version 78.2.1, das auf die Veröffentlichung von Thunderbird 78.2 von vor wenigen Tagen folgt, wird die Verschlüsselung per OpenPGP im Kern von des E-Mail-Clients Thunderbird freigeschaltet. Das sollte eigentlich bereits mit Version 78.2 geschehen, jedoch wollten die Entwickler ein paar zusätzliche Tage für Tests.

    Übergang abgeschlossen

    Die Release Notes weisen neben zwei kleinen Fehlerkorrekturen aus lediglich zwei Änderungen aus. OpenPGP ist standardmäßig eingeschaltet und die Algorithmen MD5/SM2/SM3 wurden deaktiviert. Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass es derzeit noch keine automatischen Updates von Thunderbird 68 gibt, diese sollen in einer künftigen Veröffentlichung freigeschaltet werden. Wer bereits Thunderbird 78 verwendet, erhält automatisch oder über die integrierte Update-Funktion das Update auf 78.2.1.

    Zwei neue Untermenüs

    Damit ist die bisherige Addon-on-Lösung Enigmail nicht nur überflüssig, sondern auch nicht mehr installierbar. Als neuen Menüeintrag findet sich unter Extras der OpenPGP Key Manager, mit dessen Hilfe vorhandene Schlüssel importiert oder neue erstellt werden können. Alles Weitere in Bezug auf die Anwendung der Schlüssel findet sich im ebenfalls neuen Untermenü Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unter Bearbeiten | Konten-Einstellung.

    Enigmail noch mit Thunderbird 68

    Anwender, die Enigmail noch weiter verwenden wollen, müssen bei Thunderbird 68 bleiben, der noch zumindest bis zum Jahresende weiter gepflegt werden soll. Für umstiegswillige Bestandsanwender von Enigmail hat Mozilla einen Migrationsleitfaden veröffentlicht, der die dahinterstehenden Techniken näher beleuchtet.

    Wer Thunderbird 78 unverbindlich ausprobieren möchte, kann das Paket von der Projektseite herunterladen, im eigenen Home entpacken und starten. Damit bleibt ein vorhandenes Profil einer installierten Version unverändert.

    Feinschliff nötig

    Bis auf ein wenig Feinschliff wie das Nachreichen der deutschen Übersetzung in den beiden neuen Untermenüs ist der Übergang zur Integration der Verschlüsselung in den Client abgeschlossen. Was die Umstellung auf die neue Erweiterungsschnittstelle MailExtensions angeht, so sind noch nicht alle Erweiterungen damit kompatibel.

  • Thunderbird 78.2 verfügbar

    Thunderbird 78.2

    Mit der Veröffentlichung von Thunderbird 78.0 vor einigen Wochen schnitten die Entwickler einige alte Zöpfe ab. Die bisher als Plugin verfügbare Verschlüsselungslösung Enigmail wurde in Thunderbird integriert. Auch das Kalender-Plugin Lightning ist nun Teil des E-Mail-Clients. Darüber hinaus sind nur noch Erweiterungen kompatibel zu Thunderbird 78.x, die Mozillas WebExtensions-Standard, der hier MailExtensions heißt, entsprechen.

    Thunderbird 78.1 schließt Lücken

    Zwei Wochen später folgte Thunderbird 78.1, der zehn Sicherheitslücken des Vorgängers schloss und neue Funktionen in Sachen Schlüssel-Handling einführte. Automatische Updates vom Vorgänger Thunderbird 68 auf die Versionen 78 und 78.1 waren abgeschaltet, da Enigmail noch weiter getestet werden sollte. Für Thunderbird 78.2 wurden automatische Updates angekündigt.

    Nur manuelle Downloads

    Nun steht Thunderbird 78.2 seit gestern auf Thunderbird.net zum Download bereit. Anwender, die von Version 68 aufsteigen möchten, müssen immer noch den Weg des manuellen Downloads gehen, lediglich wer bereits Version 78 installiert hat, wird automatisch aktualisiert.

    Weitere Test notwendig

    Die Entwickler raten in der Ankündigung der neuen Version Anwendern von Enigmail immer noch von der Verwendung von Thunderbird 78 ab. Auch wenn die Umsetzung von Enigmail im Thunderbird-Kern nun als Feature Complete, also mit allen geplanten Funktionen ausgestattet, angesehen wird, sollen zunächst noch weitere Tests die Stabilität garantieren. Somit ist Enigmail auch in Thunderbird 78.2 standardmäßig deaktiviert.

    Migrationsassistent

    Einen Tag vor der Veröffentlichung erklärte ein Eintrag auf der Mailingliste für Enigmail, dass Anwender, die bereits Enigmail mit Version 78 nutzen, automatisch eine neue Version von Enigmail erhalten. Dabei handelt es sich um eine Migrations-Version, die den Umstieg durchführt und Schlüssel und Einstellungen überführt.

    PEP-Migration

    Das gilt allerdings nur für Anwender des Classic Mode mit OpenPGP. Falls mit Enigmail Pretty Easy Privacy im Junior Mode (PEP) genutzt wird, muss ein weiteres Plugin händisch heruntergeladen werden, dass die Schlüssel und Einstellungen auch auf mobilen Geräten migriert.

    Bis Ende 2020 unterstützt

    Anwender, die weiterhin Enigmail als Plugin nutzen möchten, können noch eine Weile bei Thunderbird 78 verharren, wo Enigmail mindestens bis ende 2020 unterstützt wird. Enigmail als Plugin wird über diesen Zeitpunkt hinaus bei den auf Thunderbird aufsetzenden E-Mail-Clients Interlink und Postbox funktionieren.

    Für Thunderbird 68 steht Version 68.12 in den Startlöchern, die stabile Freigabe der neuen Version und somit automatische Upgrades auch von Version 68 wird mit Thunderbird 78.3 erwartet.